𝐃𝐢𝐠𝐢𝐭𝐚𝐥𝐞 𝐒𝐨𝐮𝐯𝐞𝐫ä𝐧𝐢𝐭ä𝐭 𝐛𝐞𝐠𝐢𝐧𝐧𝐭 𝐢𝐦 𝐊𝐢𝐧𝐝𝐞𝐫𝐠𝐚𝐫𝐭𝐞𝐧 – 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐢𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐈𝐓

Digitale Souveränität wird heute oft dort gesucht, wo sie nicht entsteht. In der IT. In Tools. In Technologien.

Doch sie beginnt viel früher.

Früh gelernt – ohne Bildschirm

Digitale Souveränität beginnt nicht mit einem Gerät. Sie beginnt mit Fähigkeiten:

·       kreativ denken

·       Zusammenhänge erkennen

·       Probleme lösen

·       Verantwortung übernehmen

·       den Mut haben, Dinge auszuprobieren

All das entsteht nicht vor dem Bildschirm. Sondern im Spiel. Im Ausprobieren. Im Scheitern und Weiterdenken.

👉 Im Kindergarten.

Dort wird die Grundlage gelegt für das, was wir später „digitale Kompetenz“ nennen.

Früh verstanden

In den 1970er-Jahren besuchte ich ein Informatikgymnasium in Kronstadt. Damals war Informatik noch Zukunftsmusik.

Wir hatten zehn Stunden Informatik pro Woche. Vier Jahre lang.

Doch das Entscheidende war nicht die Technik.

Starke Vorbilder

Wir waren nicht nur Lernende. Wir waren geprägt von Menschen, die uns etwas zugetraut haben. Unsere Lehrerinnen und Lehrer waren mehr als Wissensvermittler. Sie waren Vorbilder.

Starke Schüler entstehen nicht zufällig. Sie entstehen durch starke Lehrervorbilder.

In einer Zeit mit klaren Regeln und Uniformvorschriften haben wir als Abiturienten unsere eigene Kleidung gestaltet.

Das war mehr als ein äußeres Detail. Es war ein Ausdruck von:

·       Selbstständigkeit

·       Gestaltung

·       Mut, anders zu denken

Genau das, was wir später in einer digitalen Welt dringend brauchen.

Lernen durch Denken – nicht durch Klicken

Wir lernten Algorithmen, Programmablaufpläne und Programme – auf Papier. Das Ergebnis wurde auf Endlos-Papier ausgegeben.

Wir suchten Fehler. Korrigierten. Und suchten weiter. Und wir freuten uns, wenn ein Programm endlich fehlerfrei durchlief.

Dabei habe ich etwas gelernt, das heute oft fehlt:

Mut, Fehler zu machen und die Fähigkeit, sie zu erkennen und zu korrigieren.

Exponentielles Lernen

Lernen verläuft nicht linear. Es verläuft exponentiell. Am Anfang scheint es mühsam. Fehler häufen sich. Fortschritt ist kaum sichtbar.

Doch mit jeder Schleife, mit jedem Verstehen, mit jeder Korrektur nimmt die Geschwindigkeit zu.

Was wir heute beobachten

Genau hier liegt eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Dort, wo grundlegende Kompetenzen fehlen, werden selbst einfache Tätigkeiten aufwendig – was gerade bei Kindern zunehmend zu Überforderung führen kann.

Was andere Länder schnell lösen, kostet uns ein Vielfaches an Zeit, Energie und Abstimmung.

Nicht, weil die Technologien fehlen. Sondern weil die Grundlagen fehlen, sie souverän zu nutzen.

👉 Wir holen nicht deshalb in Deutschland langsamer auf, weil uns Tools fehlen, sondern weil uns oft die digitale Basis fehlt und sie viel zu wenig und viel zu spät systematisch gelernt wird.

Digitale Kompetenzen sind bis heute kein selbstverständlicher Bestandteil für alle. Sie werden oft nur punktuell vermittelt – und häufig erst spät.

Was eigentlich Grundwissen sein müsste, bleibt bei uns oft ein Wahlthema.

Die Konsequenzen, die wir sehen

Die Folgen sind längst sichtbar. Nicht nur im Bildungssystem. Sondern in Unternehmen und in unserer wirtschaftlichen Entwicklung.

Viele Mitarbeitende sind heute langsamer im Umgang mit digitalen Werkzeugen, unsicherer – und stärker abhängig von Unterstützung, als es notwendig wäre.

Nicht, weil sie weniger können. Sondern weil sie die Grundlagen nie systematisch gelernt haben.

👉 Was in anderen Ländern selbstverständlich ist, muss hier oft aufwendig nachgeholt werden.

Das kostet:

·       Zeit

·       Energie

·       Abstimmung

·       und letztlich Wettbewerbsfähigkeit

Und genau das macht uns als Land langsamer.

Wir verlieren nicht an Geschwindigkeit, weil wir zu wenig Technologie haben – sondern weil wir zu wenig gelernt haben, sie souverän zu nutzen.

Das ist kein individuelles Problem. Es ist ein strukturelles. Und genau deshalb ist es eine Führungsaufgabe.

Was wir gleichzeitig sehen

Es wäre zu einfach, nur auf Defizite zu schauen.

Viele MINT-Initiativen und engagierte Programme haben diese Lücke längst erkannt. Sie leisten wertvolle Arbeit. Sie fördern Neugier, Kompetenz und Begeisterung. Und dennoch bleibt ihre Wirkung begrenzt.

Warum? Weil sie meist zusätzlich zur Schule stattfinden – nicht als selbstverständlicher Bestandteil für alle.

👉 Wer Zugang hat, profitiert. 👉 Wer ihn nicht hat, bleibt zurück.

So entsteht genau das, was wir eigentlich vermeiden wollen: wachsende Chancenungleichheit.

Digitale Souveränität darf kein Zusatzangebot bleiben. Sie muss Grundlage für alle sein.

Die eigentliche Führungsaufgabe

Digitale Souveränität ist keine IT-Kompetenz. Sie ist eine Führungsentscheidung.

Die Frage ist nicht: Welche Technologie setzen wir ein?

Sondern: Welche Haltung ermöglichen wir?

Schaffen wir Räume,

·       in denen Menschen denken dürfen

·       in denen sie ausprobieren dürfen

·       in denen Fehler erlaubt sind

·       in denen Lernen möglich ist

Ein Gedanke zum Mitnehmen

Digitale Souveränität entsteht nicht durch Technologie. Sondern durch Menschen, denen zugetraut wird, sie zu gestalten.

🎥 Impuls zur Vertiefung

Wer die Dimension dieser Entwicklung genauer verstehen möchte, findet hier eine eindrückliche Perspektive:

„Digitales Schachmatt“ https://www.youtube.com/watch?v=8jYrkvLnDnA

Ausblick

Ein persönlicher Ausblick

Viele der Gedanken aus diesem Newsletter begleiten mich schon seit Jahren. Ich habe sie in meinem Buch weitergeführt und vertieft:

„Wir können alles – auch die Zukunft! So gelingt uns die digitale Aufholjagd“

Das E-Book erscheint im April.

👉 Einige der zentralen Ideen daraus werden Sie auch in den kommenden Ausgaben dieses Newsletters wiederfinden.

Ausblick

👉 In der nächsten Ausgabe geht es darum, warum Stabilität kein Gegensatz zu Wandel ist – sondern oft seine wichtigste Voraussetzung. Und warum Digitalisierung mehr Beziehung braucht als je zuvor.

Herzlich Waltraud Hermann

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