Farmleitung mit 16 Jahren

Dieses Foto ist fast 50 Jahre alt. Es zeigt mich mit 16 Jahren – als Vertretung der Farmleitung auf 1.000 Hektar Land, verantwortlich für 4.000 Rinder und 70 Mitarbeitende.

Was mich damals getragen hat, war kein Titel. Es war Vertrauen. Zutrauen. Und eine Gemeinschaft, die Verantwortung unterstützt hat.

Diese Erfahrung prägt meine Haltung zu Führung bis heute. Gerade jetzt, in Zeiten von Wandel, Digitalisierung und Unsicherheit, wird für mich immer klarer:

👉 Führung braucht Stabilität, um Wandel möglich zu machen. 👉 Und Wandel braucht Vertrauen, um getragen zu werden.

Führung im Wandel - was trägt

Sommer 1977. Der Urlaub für meine Eltern war gebucht. Zum ersten Mal seit Jahren.

Zwei Wochen vor der Abreise kam die Nachricht: Der Bruder meines Vaters – seine Urlaubsvertretung – war erkrankt. Die Farm hatte plötzlich keine Leitung.

1.000 Hektar Land. 4.000 Jungrinder. 70 Mitarbeitende.

Absagen? Nach all den Jahren ohne Pause?

Mein Vater dachte nicht lange nach. Er suchte keinen Ersatz. Er sah mich an.

Ich war 16.

Er fragte mich nicht, ob ich mir das zutraue. Er fragte mich, ob ich es mache.

In diesem Moment wurde mir schlagartig klar, dass Verantwortung nicht angekündigt wird. Sie wird übertragen.

Ich sagte Ja. Mit klopfendem Herzen. Mit Respekt. Mit dem Gefühl: Jetzt zählt es.

Was dann folgte, war keine Überforderung – sondern eine Erfahrung von Vertrauen, Unterstützung und echter Führung, die mein Leben bis heute prägt.

Nicht, weil ich perfekt vorbereitet war. Sondern weil mir jemand zutraute, hineinzuwachsen.

Führung braucht manchmal ein neues „Fahrzeug“

Das Dienstfahrzeug meines Vaters war eine Charette mit Pferd. Damit war er täglich auf der Farm unterwegs – und damit war nun auch ich unterwegs.

Doch schnell wurde klar: Für 1.000 Hektar Land braucht es Beweglichkeit.

Am zweiten Tag kam der Leiter einer benachbarten Farm vorbei. Er brachte mir einen Sattel mit – und erklärte mir in zehn Minuten die Grundlagen des Reitens.

Dann ging es live.

Von da an ritt ich täglich 30 bis 40 Kilometer über das Gelände. Allein bis ins Dorf zur morgendlichen Arbeitsbesprechung waren es neun Kilometer – morgens raus zur Farm, abends zurück.

Ich nutzte die Charette. Und ich nutzte den Sattel.

Nicht perfekt. Aber funktional. Und getragen von Unterstützung.

Was mich bis heute prägt

Niemand stellte meine Rolle infrage. Niemand kontrollierte jeden Schritt. Die Mitarbeitenden unterstützten mich. Die Nachbarfarmen halfen mit Rat und Tat.

Warum?

Weil Verantwortung nicht allein trägt. Sie wird getragen.

Diese Wochen waren keine Überforderung. Sie waren eine Lebensschule.

Ich habe gelernt:

  • Führung entsteht im Tun
  • Stabilität gibt Sicherheit
  • Wandel braucht Vertrauen
  • und manchmal reicht zehn Minuten Erklärung, wenn Haltung stimmt

 

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